DER SPIELER
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Dieses Image zu bekommen war ganz einfach und ich bin selbst daran schuld.
Aber zum Ablauf:
Der Staatsanwalt hatte sein Gebäude auf „Spielsucht“ aufgebaut, doch der Masseverwalter sagte, nach Prüfung aller Unterlagen, aus, dass der Casino-Verlust marginal sei.
Was im Prozess zu Sprache kam, waren einerseits die Recherchen der Wirtschaftspolizei (die sich vom Casino eine Aufstellung der Häufigkeit meiner Besuche beschafft hatten) und andererseits das
Gutachten eines Sachverständigen namens Salomon.
Dieses Gutachten, so meinte meine Anwaltskanzlei, sei eine einzige Vorverurteilung. Das Urteil sei aber Sache des Richters und nicht des Sachverständigen.
Es stimmt! Jahrelang hatte ich Freude daran, meine Freizeit in den Casinos zu verbringen. Und ich war auch nicht dort, um a la Dostojewski ein Buch zu schreiben, ich spielte. Dostojewski hat in
seinem Buch „der Spieler“ alle Facetten der Spielsucht beschrieben und darin habe ich mich, Gott Sei Dank, nicht wieder erkannt. Ich habe einfach gerne gespielt und, das habe ich auch dem Richter
gesagt, nicht daran gedacht, dass es nicht klug war, mein schwer verdientes Geld einfach auf einen grünen Tisch zu legen, auf die Gefahr hin, dass ein Herr im Smoking das Geld mit einem langen
Holzrechen vom Tisch fegt und es „futsch“ war.
Nie habe ich Buch geführt und so war ich vom Ergebnis der Recherchen des Masseverwalters selbst überrascht. Schien so, als ob Gewinne und Verluste sich einigermaßen die Waage gehalten hätten. Was das
Spielen nicht klüger machte. Damit offene Rechnungen zu zahlen, wäre intelligenter gewesen.
Für den Staatsanwalt, die Presse und die Öffentlichkeit war der Fall ganz schnell klar: Der hat sein Geld verspielt, statt seine Schulden zu begleichen! Das war in jedem Fall leichter zu
verstehen und in fetten Überschriften in den Zeitungen leichter zu verkaufen. Mühsame Berechnungen anzustellen, welche Schwierigkeiten beim Bau des Hauses entstanden sind oder wie ich beim Zahlen von
Alimenten und Kredit-Rückzahlungen die Übersicht verloren hatte, heraus zu filtern, wo das viele Geld tatsächlich versickert war, das hatte keinen „Biss“.
Der Stempel schwebte hoch und knallte auf mein Bild: „Spieler“!
Mich hat das nicht so schwer getroffen. Erstens konnte und wollte ich meine Besuche in den Spielbanken nicht leugnen und zweitens hatte ich genug damit zu tun, in meinem Job, in meiner Berufung zu
bleiben.
Die überwiegende Mehrheit der Öffentlichkeit kündigte mir nicht ihre Sympathien. Die Menschen waren einfach großartig. Wie großartig, das zeigte sich später, als ich für meine Arbeit für „Licht ins
Dunkel“ und auch für die Unterhaltung im Allgemeinen hohe Auszeichnungen bekommen habe.
Kaplan August Paterno, der im Juli 2007 in Horn verstorben ist, nahm mich einmal am Küniglberg zur Seite, wir waren beide in der „Licht ins Dunkel-„ Sendung und hatten Pause, sah mich an und sagte
unvermittelt: „Du hast ja keine Ahnung, wie vielen Menschen Du durch Deine Haltung Hoffnung gegeben hast!“ Ich habe nicht weiter gefragt, weil sich das nicht ergeben hat. Aber ich denke noch heute
hin und wieder über diese Bemerkung nach.
Weil ich dem Publikum dankbar bin für seine Treue, verhalte ich mich im Kontakt mit Fans – das glaube ich wirklich – anders, als viele Kollegen. Wenn mich jemand anspricht, wende ich mich nicht ab …
außer ich habe es wirklich eilig, aber dann sage ich das auch und entschuldige mich.
Neuerdings (August 2011) bin ich im „FACEBOOK“ und die „Freunde“ sind verblüfft, weil ich jede Anfrage möglichst schnell persönlich beantworte. Manchmal muss ich bestätigen, dass ich es wirklich
selber bin. In nur drei Wochen standen mehr als 1.000 Freunde in meinem „Status“.
Am Beginn nahm ich nur die Anfragen an, wo ich meinte, sie persönlich zu kennen. Dann aber dachte ich nach, wie ich mich fühlen würde, wenn mich einer, den ich mochte, ablehnte. Noch in der gleichen
Minute fing ich an, jeden, der zu mir Kontakt haben wollte, zu „bestätigen“ und ich habe es bis heute nicht bereut.
Aber, zurück zu der „dunklen“ Zeit des Prozesses. Der Ruf des „Spielsüchtigen“ ist mir bis zum heutigen Tag geblieben. Oft mache ich mich in meinen Moderationen darüber lustig, um mich selbst nicht
der traurigen Wahrheit stellen zu müssen:
Ich kann mit Geld nicht umgehen!
Peter Rapp