WBB Kolumnen im August 2011

Peter Rapp WBB
Die lieben Kinder
„Hallo Leser! Hallo Redaktion! Ihr habt mir sooo gefehlt! Endlich ist die Sommerpause zu Ende!“
Sagt einer: „Nach jedem Urlaub ist meine Frau schwanger!“ „Wie viele Kinder habt Ihr denn schon?“ „Acht!!“ „Na, dann musst Du jetzt aber etwas dagegen unternehmen!“ „Freilich! Heuer fahr ich
mit!“
Der Wiener nennt die eigenen Kinder gerne „Gschroppen“ und die Anderer, wenn sie zum Beispiel durch Lärm stören, gerne „Bangerten“. Nun, „Gschroppen“ geht ja, weil es die Bezeichnung für
einen kleinen Menschen oder ein Kind ist. Da geht allerdings auch „Ozwickter“ oder „Gsteammel“. Ist der „Ozwickte“ dünn, dann kann er auch ein „Zniachterl“ sein. „Bangert“ ist heikel, weil es
ursprünglich die Bezeichnung für ein uneheliches Kind ist.
Beim „Wechselbalg“ hätte ich angenommen, dass es sich um ein Kind handelt, dass in den Wechseljahren einer Frau gezeugt wurde, ist aber weit gefehlt. Es ist eher ein „Kuckucksei“, also ein, dem
Ehemanne unterschobenes Kind. Überhaupt hat der Wiener so viele Bezeichnungen für uneheliche Kinder, dass man daraus fast schon ein Sittenbild ableiten könnte. Das soll neuerdings auch für Steirer
mit Muskeln gelten.
Richtig böse ist für ein Kind die Bezeichnung „Bastard“. Eine Herabwürdigung, die man vor Allem dort findet, wo adelige Herren mit Frauen geringerer Herkunft Kinder gezeugt haben. In Romanen kämpfen
zumindest die männlichen „Bastarde“ um Anerkennung und Erbe. Wenn es aber um den Hund geht, dann ist das „Bastardl“ das Lieblingstier der Wiener.
In dem Film „55 Tage Peking“ sagt ein Priester zum Charlton Heston: „Irgendwie ist ein Mann der Vater jedes Kindes!“ Der Gedanke gefällt mir.
Nach der Pause bin ich noch nicht richtig auf „Betriebstemperatur“. Sollte es also meinem „Schattenmann“ Dieter gelingen, zu einer der oben angeführten Bezeichnungen die Herkunft ableiten zu können,
wäre ich wieder einmal schwer beeindruckt.
Peter Rapp