Jänner 2012

Ich glaube, ich bin ein „Schlurf“.
Bin sicher, der Dieter schließt sich an, wenn ich jetzt im „neuen Wiener Bezirksblatt“ schreibe: Willkommen auch im neuen Jahr 2012!
Unlängst wollte mich im „Facebook“ im Internet einer kränken und hat mich als „Schlurf“ bezeichnet. Aber, ich fühlte mich nicht gekränkt, weil ich in den 60er Jahren auch die Haare im Nacken
habe wachsen lassen und stolz war auf mein „Packel“.
Es war zwischen meinem 16 und 20sten Lebensjahr und ich war mir nicht bewusst, dass ich Teil einer Jugend Kulturrevolution gewesen bin. Und schon gar nicht wusste ich, woher die „Alt Vordern“ den Begriff her hatten.
Tatsächlich hat der „Schlurf“ seinen Ursprung in der NS Zeit. In Deutschland waren es die „Swings“ oder „Swingheinis“. Eine Bezeichnung, die ihnen die NS Strafverfolgung verpasste und sie
wurden so genannt, weil sie sich offen für den US Swing begeisterten.
Als es ihnen öffentlich verboten wurde, diese Musik zu spielen und zu tanzen, trafen sie einander bei selbst organisierten „Swing Partys“. Das war gefährlich! Die Gestapo (Geheime Staatspolizei) und
der HJ (Hitler Jugend) Streifendienst verfolgten die Jugendlichen und waren oft gewalttätig.
Verbrieft ist, dass 1943 ein gewisser Günter Discher, der als Rädelsführer eingestuft wurde, in das Jugendkonzentrationslager Moringen eingewiesen wurde.
Na, und was in Deutschland als „Swingheini“ eingestuft wurde, galt hierzulande als „Schlurf“. Ältere Menschen bezeichnen vermeintlich ungepflegte Männer noch immer gerne so. Auch wenn sie
täglich die Unterwäsche wechseln und gewaschene Haare haben.
Unsere langen Haare und unsere Liebe zum „Rock and Roll“ war ja auch ein Widerstand gegen jegliche Bevormundung.
Und somit schließe ich: ja, ich war und bin (glaube ich) ein „Schlurf“.
Peter Rapp