WBB Kolumnen im Juni 2011

Wortspiele mit Namen
Zur  letzten Kolumne muss ich dem Dieter einfach gratulieren. Die Geschichte einer fruchtbaren Liason an Hand von Komponistennamen darzustellen, war schon grenzgenial. Dem kann ich nur ein einfaches  Menü entgegen setzen. Das Menü (Menuett) bestehend aus Bach, Händel und Suppè (Back Hendel und Suppe). In der Zeit der offenen Grenzen kann es in Bezug auf unsere traditionellen Nahrungsmittel schon zu Missverständnissen kommen.

Da war ich Ohrenzeuge eines Gespräches zwischen einem alten Herrn und einer Verkäuferin in einem Lebensmittelgeschäft. Es wollte eine „Kaisersemmel“, sie gab ihm eine Käsesemmel. „Nein, ich will eine Kaisersemmel!“, beharrte der Herr. „Na, ist doch eine Käsersemmel!“ kam die verständnislose Antwort der Verkäuferin, die hörbar ungarische Wurzeln hatte.  Er resignierte und nahm die „Käsersemmel“  mit. Entzückend war auch das rundliche kleine Mädchen, das ich beobachten konnte. Sie sollte fünf Semmeln einkaufen. „Semmeln sind ausverkauft…“ erklärte bedauernd die Angestellte. Das Mädchen überlegte sichtbar angestrengt:  „Dann bitte drei Punschkrapfen…“ Da mein Schattenmann und ich einander auffordern, Themen zu beleuchten, würde ich mich freuen, in seiner nächsten Kolumne etwas über Wiener Originale zu lesen. Was sagt ihm: „Das Glücksbüscherl, wegen Ihnen Herr Doktor bin I extra kummen.“ Oder, wer war der „Schnorrerkönig“ und was wissen wir von „Wasser, Luft, Licht und Sonne?“. Dieter hat sicher ein paar gute Geschichten dazu. 

Sprachliche Verwirrungen  
Der Dieter und ich haben uns zuletzt ins weite Feld der sprachlichen Missverständnisse verirrt. Beispiel: Deutscher Tourist fragt österreichischen Einheimischen: „He guter Mann, wie heißt denn der Berg da drüben?“ „Wölchener?“ „Danke schön! Sehr freundlich!“ Dieter liebt die Anekdote, als der heutige Sturm Trainer Franco Foda im Stadion von Rio de Janeiro eingewechselt wurde, über die Lautsprecher angesagt und mit Tumult artigen Jubel begrüßt wurde.

Die Menschen sprechen dort portugiesisch und da heißt „franco“ nun mal „gratis“ und „foda“ ist ein derbes Wort für „Liebe machen“. Auf der weiteren Tournee wurde er nur mehr als „Franco“  angekündigt. „Teddy“ Podgorski  erzählt wiederum gerne vom ersten Hörfunkdirektor. Der hieß „Übelhör“ und saß in der Taubstummengasse. Auch von der Brandwache bei den Sophiensälen behauptet er, dass der eine Brandner und der andere Aschenbrenner geheißen hat. So hat es mancher mit seinem Namen im Ausland nicht so leicht. Die Engländer grinsen, wenn ein Mann als „Horny“ vorgestellt wird, weil das in ihrer Sprache „geil“ heißt. Auch im Burgtheater wurde gelächelt, als die Herren Hackl und Beil in einer Produktion spielten. Bin mir fast sicher, dass Kollege Dieter Chemar zu diesem Thema noch auserlesene „Schmankerln“ beitragen kann. Nächste Woche an dieser Stelle! 

„Verwordagelt“
 hat mir der Dieter in seiner letzten Kolumne hingeworfen und gemeint, ich soll unseren  Leserinnen und Lesern den Wiener Ausdruck erklären.   Mache ich es mir einfach, dann steht hier: Das heißt „verunstaltet“. Aber, wo kommt das Wort her?   Der Kerl hat es wirklich fertig gebracht, dass ich mich mit Etymologie beschäftige. Bei Peter Wehle steht: “Etymologie ist fröhliche Autopsie eines lebenden Wortes und Erstellung einer Ahnentafel.”

Seltsamer Weise klingt die Erklärung genau so mühsam, wie das Fremdwort. Wurscht!   Hier ist der einfache Weg: Der „Sonntagsanzug“ ist gepflegt und schön. Trage ich ihn auch während der Woche, dann wird er abgenutzt und verunstaltet, also „verwerktäglicht“ und schon haben wir „verwordagelt“.   Dank Chmelar sind wir jetzt alle Etymologen!   Das macht Spaß! Suchen Sie doch selbst, oder schreiben Sie uns ihre Fragen. Ich zum Beispiel hätte gerne gewusst, wo „Foaferl“ herkommen. Also Dieter, lass lesen! 

WIENER KAFFEE
„Nicht zu Hause und doch nicht an der frischen Luft“ ist der berühmte Ausspruch mit dem Peter Altenberg den Vorteil der Wiener Kaffeehäuser beschrieben hat.   An die 50 davon hat es alleine auf der Ringstrasse gegeben. Die meisten davon erwischte es ab 1950. Die Schuld wird der damals wachsenden Popularität des Fernsehens und das Aufkommen der modernen „Espresso Bars“ gegeben.   1978, als auch das berühmte Cafe Landtmann neben dem Burgtheater  vor dem Zusperren stand, griff Bürgermeister Zilk ein.

Die Kaffeesieder sehen in ihm den Retter der Ringstraßencafes. Und recht hatte er … es gibt kaum etwas, das „Wienerischer“ ist, als unsere Kaffeehäuser. In ganz Europa wurden sie in ihrer Hochblüte kopiert. Eine Tasse Kaffee, ein Glas Wasser. Zeitungen lesen, Billard spielen, Karten spielen, diskutieren. Stundenlang war das Kaffeehaus das „zu Hause“ und der Kellner war kein Kellner, sondern ist, bis heute, der „Herr Ober“, der vor Allem in den Künstlerkaffees enger Vertrauter war und bisweilen diskret Kredit gewährte. De Umgebung scheint inspirierend zu sein. Lore Krainer zieht es heute noch vor, im Kaffeehaus an Texten und Programmen zu arbeiten, so wie es Polgar, Kusch, Schnitzler, Torberg und viele andere vor ihr gemacht haben. Karl Spiehs (Filmproduzent – z.B. „Ein Schloss am Wörthersee“ hat heute noch sein „Zweitbüro“ in einem Kaffeehaus in der Innenstadt.   Kolschitzky wird gerne der Ruhm des Wiener Kaffee´s und gleichnamigen Hauses zu- geschrieben. Tatsächlich war es der Grieche Johannes Diodato der eines der ersten Kaffeehäuser gründete und eine Zeit lang hatten die Griechen das Monopol zu Ausschenken von Kaffee in Wien.   Meine Lieblingsszene aus einem Kaffeehaus stammt aus einem Film mit Hans Moser und dem beleibten, ständig raunzenden Oskar Sima. Moser, als der „Herr Ober“ zum Gast Sima: „Sie hatten?“ … der, mürrisch „einen Kaffe!“ Moser: „Sonst nix?“ Sima: „Naa!“ Moser:“ Sie haben doch noch Staubzucker am Revers!?“ Sima: „Ah ja, … 13 Krapfen.“   Übrigens, das Glas Wasser war ursprünglich gar nicht zum Trinken gedacht. Für die Aristokraten war es unfein, den Löffel abzulecken. Der wurde ins Wasser getaucht.   In einem Kaffee hießen der Besitzer Karl, sein Sohn Karl und der Kellner Karl. Also rief man den Chef „Karl“, den Sohn „Karli“ und der Ober war der „Herr Karl“. Vielleicht die Inspiration für Karl Kraus. 

FRANZÖSISCH IN WIEN   Französisch in Wien galt als „foin“, weil die „Haute volee“ `(Die „high society“, die Oberen Zehntausend) es sprachen. Unzählige franz. Ausdrücke zogen in Wienerische ein. Fühlte sich der Hausherr „parterre“, dann setzte er sich seinen Chapeau (Hut) auf, nahm seinen Parapluie (Schirm), steckte sein Portemonnaie (Geldbörse) ein und marschierte eilig über das Trottoir (Gehsteig) zu seiner Mätresse (Geliebte). Unterwegs machte er Halt in einem Pissoir (Bedürfnisanstalt).

Zu Hause hatte er das Gefühl gehabt, dass ihm der Plafond (Decke) auf den Kopf fiel und auch ein Gesichtsbad im Lavoir (Waschschüssel) brachte keine Abkühlung. Er dachte an die Verwandtschaft, die in seinen Augen eine Bagage (eigentlich Gepäck) darstellte und die er als einzige Blamage (Peinlichkeit) empfand. Die Ausgaben für seine Mätresse rissen jeweils ein Loch in sein Bidet, pardon budget!.  Aber nur so hatte er weiter Zugang zu ihrem Boudoir (Schlafzimmer). Hübsche Aufgabe für meinen „Schattenmann“ Dieter: Woher kommt die Bezeichnung „Polier“. Lesen Sie es nächste Woche oder schreiben Sie es uns bitte.


Erklärung

Die Bezeichnung Polier geht zurück auf die frühere Namensgebung Parlier. Diese historische Berufsbezeichnung wurde vom französischen parler (= sprechen) abgeleitet, was bis heute die Funktion des Poliers als Sprecher der am Bau beteiligten Arbeiter charakterisiert.

Es heißt, dass der "Parlier" der einzige war, der mit dem Bauherren sprechen durfte.

CHMELAR Bezirksnamen  

Wissen sie EIGENTLICH, wo sie wohnen? Dieter Chmelar über das weit verbreitete Phänomen, keine Ahnung davon zu haben, warum die eigene Adresse so heißt,  wie sie heißt.  Seine Neugierde  erwachte,  auf Grund der Tatsache, dass er mit 1,92 und 108 Kilo ausgerechnet in der Wichtelgasse lebt ...  


Dieter schreibt:

Vor drei Wochen stellte mir „Schatten-Kollege“ Peter Rapp drei Fragen. Da ich nur zwei davon beantworten kann, hoffe ich, dass wir alle die dritte vergessen haben... Also 1.: Aus den ersten Silben von Wasser, Luft, Licht und Sonne formte einst der in wallende weiße Gewänder gehüllte rührige Öko- Pionier Ludwig Weinberger (1914–96) seinen friedfertigen Kampfnamen, der als Waluliso-Brücke für Radler und Fußgänger heute noch (an der alten Donau) fortlebt. Und 2.: Schnorrerkönig war der geistreich-verarmte Poldi Waraschitz (1900-70), den Superstars wie Curd Jürgens wegen seines großen Unterhaltungswerts jahrzehntelang für die bloße Anwesenheit bezahlten. Launiges Lebensmotto: Kaum fangst an zu arbeiten, hast nur Zores ... Zu seinen Ehren gibt’s leider nicht einmal eine Mautstraße im tiefsten Wienerwald, etwa den Waraschitzengraben.   Übrigens: Wenige Wiener wissen, wo sie wirklich wohnen – warum heißt es Mexiko-Platz, Franzosengraben oder Argentinierstraße? Das ist Rapps Hausaufgabe bis nächste Woche. Mir hat jüngst ein Schulausflügler aus Gmünd (12 Jahre) erklärt, welche Wiener Bezirke weibliche Namen haben: Margareten, Mariahilf,  Brigittenau und Pen- zing. Wieso Penzing??? „Na, unsere Frau Lehrerin heißt Penz!“ 

Darauf meine Antwort:

Die Straßennamen  

Jetzt ist es so weit, mein „Schattenmann“ Dieter gibt mir „Hausaufgaben“. Wird nicht mehr lange dauern, dann muss ich das erste Mal „nachsitzen“. Aber schwer war es nicht, denn da gibt es im Internet ein tolles Nachschlagwerk von der Stadt Wien. Mexicoplatz, weil Mexico als einziges Land 1938 gegen den Anschluss Österreichs protestiert hat. 

Argentinierstraße, weil die uns nach dem ersten Weltkrieg eine 5 Millionen Pesos Spende zukommen ließen. Und im Franzosengraben hatten sich 1809 (napoleonischer Krieg) die Franzosen verschanzt.

 A pro pos Franzosen. Vom Pariser Arc de Triomphe weg gibt es eine „Avenue du Rapp“. Der hat mich interessiert. Ich wurde nicht enttäuscht. Er war der Sohn vom einem Hausmeister und brachte es bis zum General und Adjutanten von Napoleon. Klingt echt nach mir.

Sollte eine oder einer im 21. Bezirk in der Julius Fickerstraße verweilen, könnte sie (er) nachschlagen dass die Straße so seit 1954 heißt.  Prof. Julius von Ficker (1826 bis 1902) war ein (Rechts-)Historiker, seit 1852 Univ.-Prof. in Innsbruck; Er  verbesserte die Urkundenkritik.

 Das Lugeck im ersten Bezirk hat einmal „Luogeckhe“ geheißen. Hat nichts mit Lügen zu tun, sondern mit „Lugen“. Das war eine Luke im Eckturm, durch die man besonders gut beobachten konnte.

 Mit Namen könnten wir uns das ganze Jahr beschäftigen. Erst unlängst hat sich im deutschen Fernsehen ein Herr „Fotz“ am Telefon gemeldet und die Moderatorin fragte launig, ob er sich schon einmal den Ankauf eines zusätzlichen Buchstaben überlegt hätte. Der Anrufer lehnte ab: „Nein, nein, Fotz bliebt Fotz!“ Die Kollegin ließ nicht nach: „Und wie wäre es mit einer Namensänderung? Zum Beispiel Herr „Musch“?“